Gewalterfahrungen nehmen zu. Wir schauen hin!
In den vergangenen Monaten suchten zunehmend Frauen das Beratungszentrum der Frauenzentrale Graubünden auf, nachdem sie häusliche Gewalt, Stalking oder kontrollierendes Verhalten in einer Beziehung erlebt hatten. Besonders bei unserer Fachstelle Rechtsberatung mit Fokus Familienrecht informieren sich Betroffene über ihre rechtlichen Möglichkeiten im Falle einer Trennung.
Die Frage, ob diese Entwicklung darauf zurückzuführen ist, dass Gewalt tatsächlich häufiger vorkommt oder ob Betroffene dank der zunehmenden öffentlichen Sensibilisierung früher Unterstützung suchen, beschäftigt auch uns als Team. Wahrscheinlich tragen beide Faktoren dazu bei. Entscheidend jedoch ist: immer mehr Menschen können ihre Situation einordnen, nehmen Unterstützung in Anspruch und erkennen: Sie sind nicht allein.
Und genau deshalb schauen wir hin.
Denn Gewalt zeigt sich nicht nur in körperlichen Übergriffen. Auch Stalking, Drohungen, Isolation oder stark kontrollierendes Verhalten sind Formen von Gewalt. Entscheiden sich Betroffene dann für eine Trennung oder ziehen sie diese in Betracht, entstehen oft Fragen zu ihren Rechten und den finanziellen Folgen. Hier setzt unsere Rechtsberatung an und informiert über die bestehenden Handlungsmöglichkeiten.
Weiterführende Informationen
Das Thema Gewalt in Beziehungen betrifft unsere Gesellschaft als Ganzes. Deshalb möchten wir auf zwei aktuelle Beiträge aufmerksam machen:
- Gewalt beginnt oft lange vor körperlichen Übergriffen - etwa durch Kontrolle, Abwertung oder Einschüchterung. Die nationale Kampagne «Gleichstellung verhindert Gewalt» sensibilisiert für frühe Warnzeichen, ermutigt dazu, Hilfe in Anspruch zu nehmen, und macht auf bestehende Beratungs- und Unterstützungsangebote aufmerksam.
→ Zur Kampagne: www.ohne-gewalt.ch - Die Studie «Männlichkeit im Wandel» der Universität Zürich und männer.ch untersucht, welche Vorstellungen von Männlichkeit in der Schweiz verbreitet sind und wie diese mit Einstellungen zu Geschlechterrollen und Gewalt zusammenhängen. Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse darüber, wie Gewaltprävention bereits bei gesellschaftlichen Normen und Rollenbildern ansetzen kann.
→ Zur Studie: «Männlichkeit im Wandel»
Sind Sie akut von Gewalt betroffen und brauchen Unterstützung?
Sie müssen die Situation nicht alleine bewältigen. Je nach Situation und Bedarf stehen Ihnen unterschiedliche spezialisierte Fachstellen zur Verfügung:
📞 142 – Nationale Helpline gegen Gewalt
Die nationale Anlaufstelle vermittelt rasch & unkompliziert Unterstützung und verweist Sie an passende Fachstellen in Ihrer Region.
Das Frauenhaus bietet Frauen und ihren Kindern Schutz, eine sichere Unterkunft sowie Beratung und Begleitung in akuten Gewaltsituationen.
🩺 Gewaltmedizinische Sprechstunde
Hier können Verletzungen nach Gewalterfahrungen medizinisch untersucht und dokumentiert werden - unabhängig davon, ob Sie bereits Anzeige erstatten möchten. Eine frühzeitige Dokumentation kann später von grosser Bedeutung sein.
Die Opferhilfe berät und unterstützt gewaltbetroffene Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche. Sie beraten kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym (auch wenn keine Strafanzeige gemacht wurde oder die Straftat bereits verjährt ist).
🛡️ Koordinationsstelle Häusliche Gewalt Graubünden
Die Koordinationsstelle informiert über das kantonale Unterstützungsangebot, Prävention und den Umgang mit häuslicher Gewalt und vernetzt die verschiedenen Fachstellen.
Benötigen Sie rechtliche Orientierung bei Trennung oder Scheidung?
Unsere Rechtsberatung Familienrecht informiert Sie vertraulich über Ihre Rechte und Pflichten hinsichtlich Trennung, Scheidung, Sorgerecht, Unterhalt etc. und berät Sie über mögliche nächste Schritte.
